
Langatmige Debatten zu einfachsten Themen sind die Zuschauer des Stadtrats nun schon gewohnt. Grotesk, polemisch und vor allem oftmals bürgerfernes, peinliches Gezänk. "future! - Die junge Alternative" stellte den Antrag, ein Modell des Tunnels bauen zu lassen. Und der Baudezernent legte sogar noch eins drauf: Er wollte zusätzlich Computerbilder des zukünftigen Bauwerks machen. Alles in Butter könnte man meinen. Doch die Rechnung wird mit der Stimmkarte gemacht. Nach fast einstündiger Debatte: Der CDU-Block geschlossen dagegen, die SPD ebenfalls.
Dieselben Stadträte haben vor wenigen Monaten mehrere hundert tausend Euro für eine Studie frei gegeben. „Um mal zu sehen, ob man den Tunnel verlängern kann.“ Hier soll für kleines Geld ein Modell gebaut werden. Ein Modell, das weder lügt, noch schön färbt. Ein Modell, das jedem Laien das Geplante vor Augen führt. Ein Modell, um sich ein Bild zu machen. Doch davor verschließen diese Damen und Herren die Augen.
Wird hier aus Prinzipienreiterei befürchtet, dass die Stimmung kippen könnte? So, wie sie jedes Mal kippte, wenn am Informationsstand der Bürgerinitiative eingefleischte Befürworter begannen, die Pläne zu verstehen. Und dabei erkannten, welch Schaden für unsere Stadt entsteht. Wir haben jedenfalls durch Information dutzende umgestimmt. Wer hier die Bürgerbeteiligung verneint, macht sich zum Lobbyisten und schuldig am größten Schildbürgerstreich unserer Geschichte.
Sich gegen diese Realität zu wehren, sich weiterhin etwas in die Tasche zu lügen – Augen zu und durch. Komme, was da wolle! – das kann nicht der Weg ernsthafter Politik sein. Es geht um das größte und teuerste, das einschneidendste und das langwierigste Bauprojekt der letzten hundert Jahre. Es geht um das Projekt, das die Stadt am stärksten verändern wird, und um das, welches das meiste Geld in Bau und Unterhalt verschlingen wird. Da ist Machtarroganz fehl am Platze.
Liebe Leser, machen Sie es Ihren Stadträten vor: informieren Sie sich selbst und schauen und hauen Sie ihnen auf die Finger. Engagieren Sie sich. Wir sind Magdeburg.
i.A. Oliver Schilling
Bürgerinitiative gegen den Tunnel