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Eine Stadt, die Kultur zu Presslufthämmer macht Drucken E-Mail
Dienstag, 12 August 2008

"Anwohnerklagen: Bauamt untersagt Theater im Stadtfelder Biergarten"

Michael Stage, Fraktionsvorsitzender der Stadtratsfraktion „future! – die jugendpartei“, äußert sich zum Volksstimme Artikel vom 11. August 2008:


In Deutschland wird bundeseinheitlich mit der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung geregelt, dass z.B. Betonmischer und Presslufthämmer, Motorsägen, Rasenmäher und andere lärmintensive (!) Arbeiten ab 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht betrieben werden dürfen.

In Magdeburg will man nun Presslufthämmer mit zwei begeisternden Künstlern, die ohne jede Technik auskommen, gleichsetzen... Spätestens wenn man beides auf eine gemeinsame Bühne stellt, dürfte einem der Unterschied schnell klar werden.
Vielleicht ist ja dieses der Grund, warum Magdeburg „nur“ Landeshauptstadt ist und Halle sich selbst zur „Kulturhauptstadt“ ernennt? Das scheint mir aber weniger an einer Engstirnigkeit der Behörden und Polizei zu liegen als vielmehr an der Intoleranz einiger weniger Bürger. Und hier muss die Frage erlaubt sein, ob die Meinung einer einzelnen Person, die vielleicht nur mit dem falschen Fuß am Morgen aufgestanden ist, höher gewichtet wird als die Meinung von Hunderten, die im gleichen Stadtgebiet wohnen und sich an der Abwechslung und Bereicherung für ihren Stadtteil erfreuen. Und damit ist nicht laute Diskomusik nach 24 Uhr, sondern eine Kleinkunstveranstaltung, die ihr Ende um 21 Uhr finden sollte, gemeint.

In Zeiten des Sparzwangs können wir uns glücklich schätzen, wenn immer mehr Bürger sich engagieren und kulturelle und soziale Projekte ins Leben rufen, die für das Leben in der Stadt dringend notwendig sind. Ebenso sollten wir froh sein, wenn sich kulturelles Leben wie ein feines Netz über die gesamte Stadt spannt und nicht nur an wenigen bestimmten Orten vorhanden sein darf. Räume können durch Kultur neu erlebt und wahrgenommen, Stadtgebiete dadurch aufgewertet werden und vor allem trägt solche Kleinkunst dazu bei, dass Nachbarschaft sich kennenlernt und Menschen miteinander ins Gespräch kommen anstatt dass sie sich hinter den eigenen vier Wänden verschließen.

Sicherlich ist dem Veranstalter negativ anzurechnen, dass er über fehlende Genehmigungen für Kulturveranstaltungen einfach so hinweg gesetzt hat und damit gegen ordnungsrechtliche Zustimmung verstößt, anstatt im Vorfeld für die Veranstaltungen Ausnahmegenehmigungen zu beantragen. Bürokratie pur, ja! Doch darüber beschweren dürfen wir uns nicht, wenn es uns immer weniger gelingt, gegenseitig Rücksicht zu nehmen und damit bürokratische Prozesse überflüssig zu machen.

In Zeiten, wo die Bürger eine flexiblere Öffnung von Freibädern nach 20 Uhr fordern (Volksstimme vom 6. August), sollten wir uns ebenso über eine flexiblere Auslegung von „Sperrzeiten“ in den Sommermonaten Gedanken machen.


Michael Stage   
Fraktionsvorsitzender Ratsfraktion future! – die jugendpartei

 
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