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Der "BUND Sachsen-Anhalt e.V." und die Stadtratsfraktion "future! - die jugendpartei" wollen Magdeburg zu einer gentechnikfreien Region machen
Auf den landwirtschaftlichen Flächen der Stadt Magdeburg soll künftig der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ausgeschlossen werden. Das ist das Ziel eines Antrages der Magdeburger Stadtratsfraktion von future! - die jugendpartei, der am kommenden Donnerstag [03. Juli 2008] Bestandteil der Stadtratssitzung sein wird.
Michael Stage, Fraktionsvorsitzender der Magdeburger Stadtratsfraktion future! - die jugendpartei zu dem Grund des Antrages: "Bei kaum einem anderen umweltpolitischen Thema herrscht in Deutschland und Europa soviel Einigkeit wie beim Thema Gentechnik: 80 Prozent aller Bürger lehnen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ab. Sogar 95 Prozent aller Konsumenten verlangen eine eindeutige Kennzeichnung von Produkten, bei deren Herstellung Gentechnik mit im Spiel war. Hier müssen wir als Stadt unsere Möglichkeiten ausnutzen, um diesen eindeutigen Zahlen Rechnung zu tragen." "Mit dem Antrag fordern wir die Stadt auf, sich an alle auf ihren Flächen wirtschaftenden Landwirte und an die Verpächter von landwirtschaftlichen Flächen auf ihrer Gemarkung zu wenden, mit dem Ziel, die Einrichtung einer freiwillig vereinbarten "Gentechnikfreien Region" zu prüfen. Zu diesem Zweck soll von der Stadt eine Veranstaltung zum Informationsaustausch und zur Besprechung des weiteren Vorgehens organisiert werden." so Stage weiter.
Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt e.V., unterstützt diese politische Initiative, die einer bundesweiten Aktion des BUND folgt: "Damit würde Magdeburg dem Beispiel von inzwischen über 180 Gentechnikfreier Regionen und Initiativen, darunter z.B. München und Halle/Saale, folgen, die ein Zeichen gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion setzen. In ganz Deutschland haben sich mittlerweile über 27 500 Landwirte mit fast einer Million Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zusammengeschlossen. Hinzu kommen über 1.158 Landwirte, die für ihren Hof erklären:"Wir arbeiten ohne Gentechnik". Ein politisches Signal aus Magdeburg ist von großer Bedeutung, denn der Anbau von Gentech-Pflanzen wird die Freiheit der Bauern und Verbraucher massiv beeinträchtigen, sich auch in Zukunft noch für garantiert gentechnikfreie Produkte entscheiden zu können. Der Grund dafür sind gentechnische Verunreinigungen: Im Saatgut, auf dem Feld, über gemeinsame Maschinennutzung bei Aussaat und Ernte, während Lagerung, Transport und Verarbeitung - überall ist es möglich, dass Gentech-Pflanzen biologische und konventionelle Produkte kontaminieren. Je mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, desto schwieriger wird eine strikte Trennung. Die Folge: Der Aufwand und damit die Kosten, Verunreinigungen zu vermeiden, werden steigen; gentechnische Kontaminationen könnten von der Ausnahme zur Regel werden."
Dass eine Gentechnikfreie Region Einnahmen sichert und Planungssicherheit für Landwirte schafft, davon ist Michael Stage überzeugt: "Gentechnikfrei produzierende Landwirte erleiden Verluste, wenn ihre Ernten verunreinigt sind, denn ein Biobauer kann seine kontaminierten Produkte nicht mehr als "Bio" vermarkten. Zudem droht ihm im Extremfall der Verlust seiner Ökozertifizierung - so geschehen in Spanien und Kanada. Doch auch konventionelle Landwirte müssen befürchten, dass sie ihre Ernten nach einer Verunreinigung nicht mehr oder nur mit Preisabschlägen verkaufen können. Inzwischen haben fast alle großen Supermarktketten in Deutschland erklärt, dem Wunsch der Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln zu entsprechen: Firmen wie Unilever, McDonalds, tegut, Wiesenhof und Edeka setzen seit Jahren auf gentechnikfreie Produkte. Bio- und konventionelle Landwirte können ihre Einnahmen nur dann sicher planen, wenn sie in Gentechnikfreien Regionen ohne Verunreinigungen produzieren können. Und das sollte gerade bei uns in der Magdeburger Börde, einem der hochwertigsten Böden überhaupt, von großer Bedeutung sein!"
Im Vorfeld der Stadtratssitzung wird es am 02. Juli 2008 in der Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr auf dem Alten Markt einen vom BUND organisierten Informationsstand zum Thema Gentechnik geben, bei dem interessierte Bürgerinnen und Bürger ins Gespräch mit Experten kommen könne, Antworten auf Fragen erhalten oder allgemein zum Thema diskutieren und sich informieren möchten.
Michael Stage dazu: "Es ist wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Bürger darüber zu informieren, wie wenig wir eigentlich über die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf die menschliche Gesundheit wissen. Auch sind die ökologischen Risiken der Agro-Gentechnik nicht annähernd abschätzbar. Aus diesen Gründen sollte es nachvollziehbar sein, dass wir den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ablehnen und das gleiche von der Stadt und ihren Landwirten fordern. Gleiches tun unsere Nachbarländer bereits seit Jahren: In Österreich schließen acht von neun Bundesländern den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen aus. In Polen haben Regionalpolitiker inzwischen das gesamte Staatsgebiet zur Gentechnikfreien Region erklärt. In der Schweiz haben Bauern- und Verbraucherorganisationen ein Volksbegehren lanciert, das die ganze Schweiz für die nächsten fünf Jahre bis zum November 2010 erfolgreich zur gentechnikfreien Region gemacht hat."
Oliver Wendenkampf fügt hinzu: "Mit der Beteiligung der Stadt Magdeburg an der Aktion "Keine Gentechnik auf kommunalen Flächen" wollen und können wir einen Beitrag dazu leisten, dem Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Deutschland einen Riegel vorzuschieben. Gerade bei dem Thema ist die "Politik von unten" gefragt. Als Vorbild könnte Magdeburg damit andere Gemeinden motivieren, sich ebenso zu beteiligen. Denn je größer und zahlreicher die Flächen sind, auf denen der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeschlossen wird, desto geringer werden die Chancen für die Agro-Gentechnik."
Übrigens: Trotz der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung in Sachsen-Anhalt beschränkt sich in unserem Bundesland die Zahl der gentechnikfreien Regionen auf gerade einmal 5 (Gentechnikfreie Anbauzone Salzwedel-Arendssee, Gentechnikfreie Anbauzone Vorharz/Harz, Gentechnikfreie Region Altmark, Gentechnikfreie Region Auenlandschaft Mittelelbe, Gentechnikfreie Region Halle/Saale).
Oliver Wendenkampf Michael Stage Landesgeschäftsführer Fraktionsvorsitzender BUND Sachsen-Anhalt e.V. Ratsfraktion future! - die jugendpartei
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