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Presseinformation: Pubertäre Anti-Stimmung auf Kosten des Stadtimages Drucken E-Mail
Montag, 10 Oktober 2005

Zur Diskussion über die Band Tokio Hotel äußert sich der Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion „future! – die jugendpartei“, Michael Stage:

Pubertäre Anti-Stimmung auf Kosten des Stadtimages

Was nutzen umfangreiche Imagekampagnen, Gold-, Silber- und Bronze-Auszeichnungen und eine riesige einjährige Geburtstagsfeier, wenn alles innerhalb kürzester Zeit wieder durch das Verbreiten von überzogenen Negativmeldungen in Frage gestellt wird? Ich finde es großartig, dass Magdeburg besonders in der Musikbranche, Stars hervorbringt, die eigentlich Werbung für ihre Heimat machen könnten. Stattdessen zeichnen Tokio Hotel ein absolut falsches Bild von unserer Stadt. Wer sich einmal die Mühe macht und die Volksstimme Aktion „1200 Magdeburger gratulieren“ verfolgt, wird feststellen, dass an einigen Stellen zwar kritisiert wird, im gesamten aber die Stadt Magdeburg sich zu einer würdigen Landeshauptstadt verwandelt hat. Und es sind nicht nur die Erwachsenen, die sich hier äußern dürfen. Natürlich kann man Magdeburgs Vielfalt nicht mit Metropolen, wie München, Hamburg, Berlin oder Tokio vergleichen.

Die vier Stars von Tokio Hotel haben mit ihrem Interview gezeigt, welche Folgen der „Mediengrößenwahn“ haben kann. Welche Gefahr von der heutigen Medien- und Kommerzgesellschaft ausgeht. Denn wenn man heutzutage das Image einer „supercoolen Band“ rüberbringen will, dann muss man einfach „anti“ sein.

Zugegeben, es ist nicht alles perfekt. Auch ich würde mir eine Innenstadt wie München wünschen, die nicht von Einkaufstempel dominiert wird. Ebenfalls ist es richtig, dass Magdeburg immer weniger junge Menschen hat. Nur ist es schade, wenn man eine Stadt allein wegen diesen Faktoren so negativ beurteilt und „Randgruppen“, wie Buffaloträger, Faschos und Prolls als typisches Magdeburger Stadtbild darstellt.

Die einzige annehmbare Kritik scheint mir, dass es wenige Clubs für unter 18-Jährige gibt, was jedoch sicherlich auch den strengen Jugendschutzgesetzen zu Ausgehzeiten Jugendlicher zuzuschreiben ist. Darüber hinaus sind es die Clubbesitzer, die entscheiden, wen sie wann reinlassen.

Als Star trägt man eine große Verantwortung. Für viele Teenager besitzt Tokio Hotel eine Vorbildfunktion. Ihre Texte werden gehört, verstanden und es wird daran geglaubt. Aber genauso ehrlich, wie die Songtexte geschrieben sind, muss man auch eine Ehrlichkeit und Objektivität in ihren Interviews erwarten. In dem Alter ist es natürlich schwer, so einer Verantwortung gerecht zu werden und an dieser Stelle hätte ich mir diese von der Zeitschrift „Bravo“ gewünscht. Stattdessen werden kommentarlos und ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen subjektive Aussagen abgedruckt, die enorme Auswirkungen auf das Image der Stadt haben. Eine nachträgliche Entschuldigung an die Volksstimme-Redaktion, die erstaunlicherweise ein ganz anderes Bild von Magdeburg zeigen soll, hilft nicht, den Imageschaden wieder gut zu machen.

Wenn der zehnjährige Dietmar Lischka oder die neunjährige Sarah Bauer (Vst. vom 07.10.) nicht wissen, was sie in ihrer Freizeit machen sollen, dass es fast nur riesige Einkaufscenter und alte Menschen in Magdeburg gibt, dann muss ich mich ehrlich fragen, wie wenig Zeit Eltern heutzutage mit ihren Kindern verbringen. Herr Buchenau (Vst. Beitrag vom 08.10.) schreibt, dass es zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche der Altersgruppe von 8 bis 15 Jahren gibt. Wie wäre es denn mal mit einem Ausflug in den Elbauenpark, Stadtpark oder Herrenkrug? Mal ein Besuch im (Puppen-)Theater, Kino oder Aktivitäten in einem der zahlreichen (Sport-)vereine der Stadt. Hält Magdeburg nicht eine Vielzahl von sanierten Sportanlagen, Bolz- und Spielplätzen bereit? Es gibt allein an Sportvereinen rund 160 in der Stadt Magdeburg, in denen über 7.000 Kinder und Jugendliche der Altersgruppe bis 16 Jahre Mitglieder sind. Zahlreiche Schülerbands, Theatergruppen oder Arbeitsgemeinschaften suchen händeringend junge Leute. Die Jugend- und Freizeiteinrichtungen der Stadt stehen allen Jugendlichen offen.

Wer natürlich nur zuhause rumsitzt, am Computer oder Fernseher abhängt und nur mal schnell zum Shoppen durch die Innenstadt läuft, der kann leicht solche Behauptungen aufstellen, aber dann spricht man nicht über die Stadt Magdeburg!

Große Events, die von zahlreichen Veranstaltern organisiert werden, wie die Blade-Night, der SWM Sommerkino, das Magdeburger Stadtfest, SWM MusiCids, das Mittelalterspektakel „Spectaculum Magdeburgense“ in der Festung Mark und vieles andere mehr, bieten immer wieder eine Vielfalt von Angeboten, nicht nur für Erwachsene. Allein der Elbauenpark hat in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen für Familien durchgeführt. Drachenfest, Ballonglühen, Ritterfest, die Ferienspaß-Angebote, das Pusteblume Kinderfest oder das Internationales Festival der Jugend sind hier nur einige Beispiele.

Natürlich kann man auch verstehen, dass man als Teenager meistens „keinen Bock“ auf so etwas hat, jeder war schließlich einmal jung. Nur sollte man dann die Schuld nicht bei anderen suchen.

In den vielen Leserbriefen habe ich bisher keinen einzigen Vorschlag gehört, was denn genau von den Negativkritikern gewollt wird, mit Ausnahme, dass es keine Clubs für unter 16 Jährige gibt!

Gerne sind wir als „future! – die jugendpartei“ bereit, auch außerhalb unserer regelmäßig stattfindenden Jugendsprechstunden, Ideen und Vorschläge aufzunehmen und sie im Stadtrat zu beraten. Und wir würden uns besonders freuen, wenn auch die Jungs von Tokio Hotel Vorschläge bringen könnten, welche Freizeitangebote in der Stadt fehlen und wo es sonst noch Verbesserungsbedarf gibt (Kontakt: )

Das würde für uns bedeuten, dass die Kritik nicht nur auf die „Null Bock“-Stimmung zurückzuführen ist, sondern dass es tatsächlich großen Handlungsbedarf in der Stadt gibt.

Ebenso bieten wir Tokio Hotel gerne eine Stadtführung an, um ihnen einmal zu zeigen, wie ihre Heimatstadt wirklich ist und was ihnen bisher entgangen zu sein scheint.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Entwicklung die vier von Tokio Hotel persönlich und beruflich unter dem Einfluss des großen Erfolges in den nächsten Jahren nehmen werden und hoffe, dass sie einen ähnlichen Sinneswandel vollziehen, wie es Ihnen vor einigen Jahren ein berühmter Magdeburger Sportstar vorgemacht hat.

 
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